Dienstag, 19. März 2019
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AK Baufachpresse auf Entdeckungsreise

Der AK Baufachpresse hat den Neubau des Bauhaus Museums in Weimar besichtigt. Professorin Heike Hanada hatte sich unter mehr als 500 Wettbewerbs-Teilnehmern mit ihrem Entwurf durchsetzen können.

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Der neubau des Bauhaus Museums in Weimar (rechts). (Foto: © ak baufachpresse/Stephan Falk)

Den rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Arbeitskreises Baufachpresse (ak baufachpresse) erläuterte Hanada (laboratory for art and architecture, Berlin) die architektonischen Besonderheiten des Neubaus. Er solle bewusst einen Kontrapunkt setzen zu den umliegenden Gebäuden, so die Architektin und ein Prinzip der Offenheit symbolisieren.

Die geometrisch klare Architektur sehe fünf Ebenen vor, wobei das Unter- und Erdgeschoss allen Besuchern frei zugänglich sei. In den drei Obergeschossen werde eine Werkstatt, die umfangreiche Sammlung sowie wechselnde Ausstellungen untergebracht, erläuterte Hanada. Eröffnet wird das Bauhaus Museum am 6. April 2019, pünktlich zum 100. Gründungsjubiläum des Bauhauses.

Besondere Fassade

Dr. Jürgen Oecknick (PSA Zürich) zeigte die Herausforderungen, die dieser besondere Bau für Konstruktion, Fertigung und Montage mit sich brachte. Verbaut wurden 400 Stahlbetonfertigteile für insgesamt 3.500 Quadratmeter Fläche, wobei hohe Anforderungen an die Qualität des Betons gestellt wurden: Dauerbeständigkeit, einheitliche Optik, Kantenstabilität und Farbkonstanz sowie eine exakte Reproduktion der vereinbarten weiß-grauen Oberfläche.

Um diese zu erfüllen, kam ein Weißzement von CRH aus dem Hause Rohoznik zum Einsatz. Von der Umsetzung konnten sich die Fachjournalisten direkt an der Baustelle in drei thematisch unterschiedlichen Führungen überzeugen. Zum Thema Architektur und Ausstellungsdesign führte Architektin Hanada selbst durch das Gebäude, die Besonderheiten der Fassade und konstruktive Baustoffe sowie Details zur Technischen Gebäudeausrüstung (TGA) – speziell zur Lüftung – erläuterten Experten des Architekturbüros.

HandwerkKontrovers diskutiert wird in Weimar derzeit, ob die Betonfassade noch mit einer horizontal gegliederten, opaken Glasfassade versehen wird, der dem "Bau eine leichtere, edlere und durchscheinende Anmutung" verleihen sollte. Fest stehe bisher nur, dass es zur Eröffnung des Museums auf keinen Fall eine Glasfassade geben werde, machte auch Weimars Oberbürgermeister Peter Kleine gegenüber dem ak baufachpresse deutlich.

Ein Schloss und eine Bibliothek

Weitere Highlights der Tagung für Baufachpresse war die Besichtigung des Stadtschlosses Weimar und der Herzogin Anna Amalia Bibliothek, die 2004 größtenteils ausbrannte. Durch das Feuer gingen einzigartige historische Werke verloren und das Gebäude erlitt schwere Schäden. Ironie des Schicksals: Als der Brand ausbrach, war ein neues Brandschutzkonzept bereits in Arbeit.

Heute ist in der wiederhergestellten Bibliothek ein modernes und ausgeklügeltes Brandschutzsystem im Einsatz. Dank zahlreicher Spenden weltweit konnte die Sammlung zu fast 100 Prozent wieder komplettiert werden. Ein besonderer Schatz der Sammlung ist die erste Gesamtausgabe von Luthers Bibelübersetzung, die 1534 in Wittenberg erschien; sie konnte glücklicherweise gerettet werden. Obwohl offiziell ab Juli 2018 bereits geschlossen, wurden für den ak baufachpresse ausnahmsweise die Türen des Weimarer Stadtschlosses geöffnet.

Hier sind umfangreiche Sanierungsmaßnahmen geplant. Bis 2023 entsteht im Erdgeschoss des ehemaligen Residenzschlosses der Weimarer Herzöge das Besucherportal der Klassik Stiftung, im ersten Obergeschoss, der Beletage, wird es eine völlig neu konzipierte Ausstellung geben. 40 Millionen Euro wurden von Bund und Land für die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen bewilligt.

Recht, Asbest und Dachkult

Auswirkungen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) auf die journalistische Arbeit, Gefahren durch Quarzstaub und Asbest und eine neue Initiative, die sich unter dem Namen Dachkult für das Steildach einsetzt, waren die bestimmenden Themen des 2. Konferenztags. Rechtsanwalt Florian Eckert (Heussen Rechtsanwaltsgesellschaft, München) wies daraufhin, dass die DSGVO auf die Datenverarbeitung für journalistische Zwecke nur eingeschränkt anwendbar sei.

HandwerkAuch beim Umgang mit Fotografien gelte nach wie vor das Verbot mit Erlaubnisvorbehalt, welches eine gesetzliche Ermächtigungsgrundlage oder das Vorliegen einer Einwilligung in die Verarbeitung erforderlich mache.

Der Gefahrstoffexperte der BG BAU, Walter Gunreben, zeigte Präventionsmöglichkeiten im Umgang mit Asbest und Staub auf. Immerhin gebe es jedes Jahr 30 Todesfälle, hervorgerufen durch die Arbeit mit mineralischen Mischstäuben. Hilfreich sei der Einsatz von Vorabscheidern und Staubsaugern, so Gunreben und machte deutlich: "Besen sollten tabu sein!"

17 Hersteller beteiligt

Zwar sei das Steildach mit einem Anteil von rund 65 Prozent im nicht gewerblichen Bereich noch immer die häufigste Dachform in Deutschland, doch verliere sie seit einigen Jahren zunehmend Marktanteile, erläutert Klaus H. Niemann, Sprecher der Initiative "Dachkult", die in Weimar mit einer Auftaktpressekonferenz ihren Startschuss gab.

Beteiligt sind derzeit 17 Hersteller der deutschen und internationalen Baustoffindustrie aus dem Bereich Steildach. Mit verschiedenen Aktionen wie zum Beispiel Architektengesprächen wolle man die Vorteile geneigter Dächer wieder stärker ins Bewusstsein rücken und zudem eine Faszination für das Steildach auslösen.

Weiterführende Infos zur "Pro-Steildach-Initiative" finden sich unter: https://dachkult.de 

www.ak-baufachpresse.com

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