Mittwoch, 20. September 2017
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Hochkarätiger Fassaden-Treff in Leipzig

"Alles nur Fassade?" Unter diesem Motto haben sich am 29. September in Leipzig mehr als 220 Fachexperten aus dem Fassadenbau zum ersten Leipziger Fassadentag getroffen.

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Mit der hochkarätig besetzten Tagung wollten die Veranstalter DIBt, MPFA Leipzig, Sahlmann & Partner, IFBT sowie die HTWK Leipzig an die Tradition des Fassadensymposiums anknüpfen, das nach der Wiedervereinigung zehn Jahre lang in der sächsischen Metropole stattgefunden hatte.

Schon in seinen Eingangsworten wies Dr.-Ing. Mathias Reuschel (Geschäftsführer S&P) auf das bei der Fassade immer anzutreffende Spannungsfeld zwischen Funktionalität, Energieeffizienz-Anforderungen sowie architektonischen bzw. ästhetischen Gesichtspunkten hin – alle diese Kriterien wurden in den anschließenden Vorträgen thematisiert.

Einblick in die Energieziele der Bundesregierung

Zu Beginn gab MR Dipl.-Ing. Peter Rathert vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit einen Einblick in die Energieziele der Bundesregierung. Eines seiner Kernthemen: Die Novelle der EnEV, die 2016 wirksam wird. Diese verschärft die energetischen Neubau-Anforderungen beim zulässigen Jahres-Primärenergiebedarf nochmals um durchschnittlich 25 Prozent – und auch bei der Wärmedämmung der Gebäudehülle steht eine Anhebung der Anforderungen um 20 Prozent an.

Ab dem 01. Januar 2021 sollen dann gar "Niedrigstenergiegebäude" Standard werden, wenn die Energieziele erfüllt werden sollen. Spätestens dann stelle sich – so Peter Rathert – jedoch die vor allem Frage der Wirtschaftlichkeit. Eine nochmalige Verschärfung erweise sich – so zeige ein aktuelles Gutachten – nicht mehr als wirtschaftlich vertretbar, da die Kosten zur Erreichung der besseren Energiekennwerte den Nutzen "Energieeinsparung" nicht mehr rechtfertigen.

Aktuelle Prüfmethoden von WDVS

Im Folgenden stellte Dr. Jörg Lippert von Wohnungsbauverband BBU klar, dass Wärmedämmung nur dann sinnvoll sein könne, wenn das Maß stimme. Immer dickere Dämmstärken und neue Anforderungen der EnEV 2016 seien unwirtschaftlich und nicht mehr zu finanzieren. Beim Blick in die Zukunft meinte Dr. Lippert: "Wenn es gelingt, die Energie zu speichern, zu steuern und sinnvoll zu verteilen, haben wir Energie im Überfluss. Dann braucht man sich über die Gebäudehülle keine Sorgen mehr zu machen."

Nach dem Vortrag der Architektin Anna Popelka (PPAG architects) zum Thema "Die Fassade ist der Inhalt" über den Bezug von Innenraum und Gebäudehülle wurde es dann wieder technisch. Dipl.-Ing. Sebastian Hauswaldt von der MFPA Leipzig stellte die aktuellen Prüfmethoden von WDVS in Deutschland vor und skizzierte dabei vor allem die derzeitigen Forschungen zum Brandverhalten von EPS-basiertem WDVS.

Hygrothermische Verformungen

Dr.-Ing. Thomas Schrepfer (CRP Bauingenieure) widmete sich einem – wie er sagte – oftmals vernachlässigtem Thema bei der Fassadenplanung: hygrothermischen Verformungen. Dabei zeigte er anhand von Schadensfällen auf, wie und unter welchen Umständen VHF- und WDVS-Fassaden bei Einwirkung von Feuchtigkeit aufquellen, sich biegen oder reißen. Hier gelte es, sich schon bei der Planung, sinnvolle Prüfmethoden zu überlegen, um unnötige Schäden zu vermeiden.

Nach der Mittagspause referierte Prof. Dr.-Ing. Ulrich Möller von der HTWK Leipzig über den Einfluss von Unterkonstruktionen auf den Gesamtenergiebedarf von Gebäuden und zeigte diesen anhand der Berechnung eines Mustergebäudes auf. Sein Fazit: Klassische Alu-Abstandhalter können die energetischen Anforderungen kaum noch erfüllen und auch ein Ausgleich der energetischen Schwächen durch dickere Dämmung mache keinen Sinn – wärmebrückenoptimierte Unterkonstruktionen würden daher zukünftig absoluter Standard sein.

Daran anknüpfend sprach Dipl.-Ing. Thomas Kühnert noch über die Frage: "Tragfähigkeit oder Wärmebrückenfreiheit bei Wandhaltern für VHF?". Nationale und europäische Regelungen für WDVS und VHF bzw. bauaufsichtliche Anforderungen für die Anwendung in Deutschland erklärte Dipl.-Ing. Kamazani-Fechner vom DIBt.

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