Dienstag, 12. Dezember 2017
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Fassadentag: Zwischen Form und Funktion

Alles nur Fassade? Unter diesem Motto fand am 19. September der 2. Leipziger Fassadentag an der örtlichen HTWK statt.

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Mehr als 200 Teilnehmer aus der Fassadenbranche versammelten sich im Hörsaal der Leipziger HTWK. (Foto: © FASSADE)

Im Fokus der von DIBt, MFPA Leipzig, Sahlmann & Partner, IFBT und HTWK Leipzig gemeinsam organisierten Veranstaltung stand das Spannungsfeld zwischen architektonischem Anspruch sowie baukonstruktiven und baurechtlichen Anforderungen an Fassaden. Die mehr als 200 anwesenden Experten aus der Fassadenbranche erwartete ein interessantes Vortragsprogramm mit renommierten Referenten.

Höhere Anforderungen an den baulichen Wärmeschutz

Zum Start referierte Dr.-Ing. Karsten Kathage (DIBt) – vor dem Hintergrund des EuGH-Urteils C-100/13 zum Bauproduktenrecht – über die novellierte Musterbauordnung und ihre technische Konkretisierung. Im Anschluss ging es im Vortrag von Architekt Prof. Andreas Fuchs (FAT LAB Stuttgart) um neue Materialien für die Gebäudehülle.

Nach einem kurzen Rückblick auf Architektur-Entwicklungen der letzten Jahrzehnte stellte er verschiedene realisierte Projekte vor – vom gemeinsam mit Schüco entwickelten Parametric System über fugenlos gestaltete Freiform-Fassaden bis hin zur innovativen 3D-Bedruckung von Glasfassaden-Elementen.

Danach sprach Bauphysiker Prof. Dr.-Ing. Frank U. Vogdt (TU Berlin) über seine aktuelles Vorhaben zur Erstellung eines Bemessungskonzepts für verklebte WDV-Systeme. Hintergrund dabei: die immer höheren Anforderungen an den baulichen Wärmeschutz und die Änderungen bei Dämmstoffdicken und -materialien.

Schallschutz bei WDVS-Fassaden

Dipl.-Phys. Dietmar Sprinz (MFPA Leipzig) referierte zum Schallschutz bei WDVS-Fassaden und erläuterte dabei unter anderem, wie sich die Luftschalldämmung bei Wänden mit unterschiedlichen WDV-Systemen berechnen und prüfen lässt. Über sinnvolle Anforderungen an das Brandverhalten von Außenwandbekleidungen informierte Dipl.-Ing. Sebastian Hauswaldt (MPFA Leipzig).

Seine Anregung: Das Schutzziel der Brandausbreitung – und nicht wie aktuell die Baustoffklassifizierung – sollte ins Zentrum der notwendigen baurechtlichen brandschutztechnischen Anforderungen an Außenwandbekleidungen gestellt werden, so dass eine Brandausbreitung auf und in der Außenwandbekleidung ausreichend lang begrenzt ist und wirkungsvolle Löscharbeiten möglich sind.

"Objektanforderung versus Zulassung"

Nach dem Mittag warf Prof. Dr.-Ing. Ulrich Möller einen Blick auf Wärmebrücken in der VHF und stellten dabei anhand aktueller Forschungen die Möglichkeiten zur energetischen Optimierung der Unterkonstruktion vor. Ergebnis: Für die energetische Optimierung ist die Verwendung eines Thermoblocks als Trennung vom Untergrund wichtig. Dabei spiele die Materialart für den Wärmebrückenverlustkoeffizient eine entscheidende Rolle – hier sei gerade Aluminium heute nicht mehr sinnvoll. Im Rahmen der Optimierung müsse jedoch gleichzeitig auch die Statik beachtet werden.

Über thermisch getrennte Wandhalter aus Kunststoff und deren bauaufsichtliche Nachweise referierte danach Dipl.-Ing. (FH) Falk Beckmann (DIBt/Referat Kunststoffbau/Fassadenbau). Derzeitig angewandte Befestigungsmittel im Fassadenbau beleuchteten Dipl.-Ing. Marcel Wolter (IFBT Leipzig) und Dr. Jochen Buhler (Würth).

Dem Thema "Objektanforderung versus Zulassung" widmete sich Dipl.-Ing. (FH) BSc Thomas Kühnert (Sahlmann & Partner GbR) und zeigte dabei anhand zahlreicher Praxisbeispiele auf, wo die Probleme in der Bauplanung und -ausführung liegen können. Zum Abschluss der interessanten Fachtagung informierten Dr.-Ing. Michael Merk und Dr.-Ing. René Stein (TU München) über Fassaden im mehrgeschossigen Holzbau.


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