Montag, 11. Dezember 2017
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Glas innovativ denken

Unter dem Motto "We think glass new" fanden am 23. und 24. November 2017 in der Messe Düsseldorf die 2. Thementage Glas statt.

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Dr. Jan Wurm (Arup) stellte die beim Futurium in Berlin umgesetzte Structural Glazing Vorhangfassade vor. (Foto: © FASSADE)

Ziel der von der Messe Düsseldorf, dem Bundesinnungsverband der Glaser (BIV) sowie der Verlagsanstalt Handwerk organisierten Veranstaltung war es, neue Denkanstöße für die Anwendung von Glas zu eröffnen.

Glasfassaden der Zukunft

Zum Start referierte Michael Elstner (AGC Interpane) über "Dynamisches Glas" und zeigte dabei den aktuellen Stand der Technik sowie die derzeitigen und zukünftigen Möglichkeiten auf. Ob integrierte Systeme im Glaszwischenraum, PV-Integration oder schaltbare Gläser wie das innovative Liquid Crystal-Glas von Merck: Ziel bei allen Systemen sei es, Licht und Energiedurchlass individuell zu steuern – für optimalen Sonnenschutz, Blendschutz, Sichtschutz und maximale Energieeffizienz.

Prof. Dr.-Ing. Ulrich Knaack (TU Darmstadt) beleuchtete in seinem Vortrag "Next Generation Glass Envelopes" die Glasfassaden der Zukunft. Dabei zeigte der Experte ein breites Spektrum heutiger und künftiger Fassadenkonzepte – unter anderem mit gebogenen Gläsern und gefalteten Geometrien, "Glasbacksteinen", Dünngläsern sowie beheizbaren Elementen.

Ein weiterer Schwerpunkt: 3D-Druck von Bauelementen aus verschiedenen Werkstoffen und in unterschiedlichsten Geometrien sowie "Informed Glass" – in Glasscheiben integrierte Computersysteme mit Touchscreens.

Plusenergiefassaden: Forschung und Praxis

Im anschließenden Vortrag sprach Prof. Dr.-Ing. Bernhard Weller von der TU Dresden über Plusenergiefassaden und erläuterte dabei aktuelle Projekte aus der Forschung – inklusive der Umsetzung in der Praxis. Eines der Beispiele: der Walther Hempel-Bau in Dresden. Dort wurde eine vorgehängte hinterlüftete PV-Fassade mit Dünnschichttechnologie entwickelt und realisiert.

HandwerkWeitere Themen waren PV-Lösungen mit Latentwärmespeichern und mit Solarthermie sowie Photobioreaktoren aus Glas. Über aktuelle Projekte in der Isolierglasanwendung und die Produktionsmöglichkeiten – vor allem übergroßer Scheibenformate – referierte Dipl.-Ing. Architekt Ralf Scheurer (Sedak).

Außerdem stellte der Referent eine neue Entwicklung des Unternehmens vor: das "isomax" Isolierglas mit integrierten Vakuumisolierpaneelen für eine besonders effiziente Wärmedämmung (Ug-Wert bis zu 0,23 W/m²K) – einsetzbar zum Beispiel bei opaken Fassadenflächen.

Unternehmen 4.0

Am Nachmittag des ersten Tages erläuterte Welf Schröter (GF Talheimer Verlag), wie Mittelstand und Handwerksbetriebe zu Unternehmen 4.0 werden. Dabei stellte er klar: "4.0 ist nicht gleich Digitalisierung, es geht um die Automatisierung des virtuellen Raumes."

Das bedeute: Autonome Softwaresysteme ersetzen betriebsübergreifend und rechtsverbindlich menschliches Handeln – zum Beispiel bei der gesamten Produktion und Auftragsabwicklung. Und weiter: "Industrie 4.0 ist die Digitalisierung hinter der Digitalisierung. Beschäftigen Sie sich jetzt mit diesem Thema."

Neue Entwicklungen aus der Glasforschung

Prof. Dr.-Ing. Jens Schneider von der TU Darmstadt zeigte neue Entwicklungen aus der Glasforschung. Zum Beispiel den Einsatz von Dünnglas in der Architektur sowie die additive Fertigung mit Glas (3D-Druck). Später stellte Dr. Jan Wurm (Arup) die beim Futurium in Berlin umgesetzte Structural Glazing Vorhangfassade vor, die komplett ohne mechanische Sicherung ausgeführt wurde.

Am zweiten Tag der spannenden Trend-Veranstaltung sprach unter anderem noch Prof. ir. Rob Nijsse (TU Delft) über gegossenes Glas an der Fassade, während Prof. Dr.-Ing. Martin Feldmann (RWTH Aachen) den Eurocode Glas im Detail präsentierte.

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