Freitag, 19. Januar 2018
FASSADE – Technik und Architektur Online Logo

Neues Denken bei Problemlösungen gefordert

Starkregen, Stürme, Überflutungen: Der Klimawandel und die Globalisierung haben vermehrt Auswirkungen auf die Art, wie wir bauen. Das betrifft umso mehr die Fassade.

/cache/images/facade2017_1-977fb184784d916ed8541383728e5cf9.
Die Fachkonferenz mit internationalen Referentinnen und Referenten widmete sich dem Thema "Resilience". (Foto: © HS OWL)

Aus diesem Grund widmete sich die "facade2017" in diesem Jahr mit dem Thema "Resilience" der Widerstandsfähigkeit von Gebäuden. Die Fachkonferenz mit internationalen Referentinnen und Referenten fand an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Detmold statt.

Vorträge unter vier Kapiteln

"Resilience" beschreibt die Funktion und Fähigkeit von Gebäuden und ihren Fassaden, sich an die Veränderungen unterschiedlichster Art anzupassen oder auf diese zu reagieren.

Bei der Konferenz zeigten Expertinnen und Experten aus Korea, Indien, den USA, Frankreich, Niederlande, Schweiz und der Türkei Beispiele resilienter Gestaltung und Konstruktionen von Gebäuden und Fassaden. Die Vorträge standen unter den vier Kapiteln: Globale Herausforderungen, Sanierung von existierenden Gebäuden, responsive Fassaden und Architekturkonzepte der Zukunft.

Neue Ansprüche an das Bauen

Herausfordernde Strukturen und Fassaden stellte der Architekt Daniel Meyer (Zürich) anhand des ITA-Gebäudes (Institute of Technology in Architecture) der ETH Zürich vor. Herausragend ist hier die digital produzierte, wellenförmige Dachkonstruktion.

Auch das Museum "La Maison des Fondateurs" (Fertigstellung 2018) mit seiner Spiralform und seinen stabilen Glaswänden stellt ganz neue Ansprüche an das Bauen, gerade in einer schneereichen Umgebung wie der Schweiz. (Weitere Informationen: https://www.luechingermeyer.ch/project/museum-audemars-piguet-apc-le-brassus/)

Neue Ansätze sind gefragt

Ganz andere Herausforderungen müssen sich Gebäude im indischen Monsun-Regen stellen, wie Daniel Arztmann von der Schüco International KG (Bielefeld) herausstellte. Neben Starkregen müssten die Fassaden hier mit Stürmen und hohen Temperaturen zurechtkommen.

Neue Ansätze seien gefragt: Eine Detmolder Master-Studentin entwickelte ein Monsoon-Fenster, das auch bei starkem Regen ein Lüften zulässt. Resiliente Fassaden sollten zudem so konstruiert werden, dass nach einem Hurrikan einzelne beschädigte Teile leicht ausgetauscht werden können, ohne die komplette Fassade erneuern zu müssen.

Sanierung von Gebäuden

Mit trockener Hitze hingegen muss die Fassade des Mashrabiya (Gensler) in Kuwait City auskommen. Das Hotel- und Bürogebäude mit seinen arabisch anmutenden Verschattungselementen wurde von Taeyoung Kim (Süd-Korea) vorgestellt, die lange für das Architekturbüro Gensler gearbeitet hat. (Weitere Informationen: https://www.gensler.com/projects/four-seasons-hotel-burj-alshaya-centre)

Mit der Sanierung von Gebäuden der 20-er und 50-er Jahre stellte der Niederländer Wessel de Jonge einen ganz anderen Ansatz vor. Problem beim Zonnestraal-Sanatoriums aus dem Jahr 1931 war: Diese Art von Gebäuden war laut de Jonge nicht dazu gemacht, länger als 30 Jahre zu existieren.

Ohne die öffentliche Hand wären solche Sanierungen unmöglich, da sie zu teuer wären. (Weitere Informationen: http://www.wesseldejonge.nl/zonnestraal1.php)

Richtige Ausrichtung zur Sonne

HandwerkWann widersteht ein Gebäude einem Erdbeben und warum? Bei welchem Design ergeben sich möglichst geringe Schäden an der Fassade wie am ganzen Gebäude? Dies erforscht Oguz C. Celik (ITU Istanbul), der einen Einblick in seine Arbeit gab. Mikkel Kragh (Odense, Dänemark) zeigte Trends resilienter Bauweisen auf. Sanjay Seth vom TERI (The Energy Research Institute, Neu Delhi) stellte "Climate Responsive Facades and Sustainable Building Materials" in Indien vor.

Wichtig sei bei Neubauten von Hochhäusern auch die richtige Ausrichtung zur Sonne sowie das Beachten der gegenseitigen Beschattung von Gebäuden der näheren Umgebung. Durch die Ermöglichung von Tageslicht auch in den niedrigeren Etagen sei eine massive Energieeinsparung möglich, so Seth. (Weitere Informationen: http://www.teriin.org/)

Neues Denken bei Problemlösungen

Für ein neues Denken bei Problemlösungen warb Robert-Jan van Santen (Lille). Der vorwiegend in Hongkong tätige Architekt stellte unter anderem ein Fenster ohne Rahmen und Griff vor. Dies ermögliche ein gefahrloses Lüften in Hochhäusern, die vorwiegend in den schnell wachsenden Städten Asiens entstehen.

Mittels zweier kreisrunder Löcher in der Schreibe, die mit eigens entwickelten "Deckeln" geschlossen werden, strömt frische Luft ein. Diese Deckel könnten vom Bewohner individuell gestaltet werden, so van Santen. Überhaupt sei die "Hälfte von Fassadengestaltung gleichermaßen Innenarchitektur". (Weitere Informationen: http://www.vs-a.eu/en/)

Intensiver Austausch

Spencer Culhane (Schüco USA), Student des internationalen Fassadenmasters an der Detmolder Schule für Architektur und Innenarchitektur, stellte abschließend die speziellen akustischen wie architektonischen Anforderungen an Glass-Fassaden für Konzerthallen und Musikaufführungen vor.

"Die Konferenz hat sehr unterschiedliche Ebenen des Themas Resilience abgedeckt: globale und städtebauliche, lokale und kulturelle wie auch technisch-ökonomische Aspekte. Es war zudem gut zu sehen, wie sich Studierende und Referenten intensiv miteinander ausgetauscht haben", sagte Prof. Dr. Uta Pottgiesser (Universität Antwerpen), die die Fachtagung moderierte.

facade2017

Leserkommentare

nach oben