Freitag, 19. Januar 2018
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Fachtagung zur neuen Bauwerksabdichtung

Die im Juli 2017 veröffentlichte neue Normenreihe zur Bauwerksabdichtung betrifft große Teile der Branche von der Planung bis zur Ausführung.

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Standen Rede und Antwort zur neuen Normenreihen Bauwerksabdichtung (v.l.): Dr.-Ing. Dieter Roeske, Karlheinz Seberich, Dr. Oliver Schippel, Norbert Schröter, Dr.-Ing. Rainer Henseleit, Christian Herold und Dr. Detlef J. Honsinger. (Foto: © Deutsche Bauchemie)

Dies wurde deutlich an der breiten Resonanz auf die Fachtagung der Deutschen Bauchemie zu diesem Thema – die Veranstaltung in Frankfurt besuchten weit über 120 Teilnehmer. Eine zweite Auflage dieser Tagung findet am 26. März 2018 in Nürnberg statt.

Kommunikation wird intensiver

"Die neue Normenreihe führt dazu, dass die Kommunikation aller Beteiligten bei Bauvorhaben mit Bauwerksabdichtung intensiver wird", prognostizierte Norbert Schröter in seiner Begrüßung. Auch für Fachleute gelte, sich mit den Normentexten intensiv zu beschäftigen und "dazu zu lernen", so der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Bauchemie.

Dazu wolle man einen Beitrag leisten, indem Obleute und Verantwortliche der jeweiligen DIN Ausschüsse "ihre" Norm vorstellen und die Neuerungen gegenüber der alten Regelungen erläutern.

Der Logik der Normenreihe folgend präsentierte Karlheinz Seberich (DIN-NA "DIN 18195") Aufbau und Funktion der DIN 18195, in der nun Terminologie, Definitionen und Abkürzungen für die weiteren Abdichtungsnormen DIN 18531 bis DIN 18535 zusammengefasst und erläutert werden.

Abdichtungen mit Flüssigkunststoffen

Dr.-Ing. Dieter Roeske (DIN-NA "DIN 18531", "DIN 18532" und "DIN 18533") referierte übergreifend zu Abdichtungen mit Flüssigkunststoffen im Kontext der drei hierfür relevanten Normen. Zu deren jeweiligen Strukturen lieferte Dr. Roeske ergänzend viel Praxis-Know-how, z.B. die Systemaufbauten, Beispiele für Bauweisen und Erklärungen zum Einsatz der in den Normen verwendeten Tabellen.

Dr.-Ing. Rainer Henseleit (Obmann DIN-NA "DIN 18531") betonte den erweiterten Geltungsbereich der DIN 18531 jetzt auch für genutzte Dächer und stellte die drei "Glaubenssätze" des Normenausschusses für die Arbeit an dem neuen Regelwerk in den Mittelpunkt: "Es darf nichts reinlaufen, das Wasser darf sich nicht verteilen und es muss weg vom Dach!"

Neu in die Norm aufgenommene Stoffe

HandwerkDen Teil 5 der DIN 18531 "Abdichtungen von Balkonen, Loggien und Laubengängen" erläuterte Dr. Oliver Schippel (DIN-NA "DIN 18531-5"). Er konzentrierte sich dabei auf flüssig aufzubringende Abdichtungen im Verbund inklusive der normgerechten Verarbeitung.

Die Teilnehmer erfuhren u.a. Details zu den neu in die Norm aufgenommenen Stoffen (z.B. rissüberbrückende mineralische Dichtungsschlämme, Reaktionsharze), zu Prüfungsanforderungen, Ausführung und Instandhaltung der Abdichtung.

Verunsicherung der Fachöffentlichkeit

Im Rahmen seiner Erläuterungen zur DIN 18532 Abdichtung befahrbarer Verkehrsflächen auf Beton ging Christian Herold (Obmann DIN-NA "DIN 18532") auch auf die unterschiedliche Sichtweise zur Schnittstelle zwischen DIN 18532 Teil 6 und den Regelungen für den Betonschutz nach EC 2 ein.

Er bezeichnete die in diesem Zusammenhang vom Deutschen Ausschuss für Stahlbeton (DAfStb) veröffentlichten Feststellungen als "nicht zutreffend". Sie führten zu einer Verunsicherung der Fachöffentlichkeit, vor allem bei den Anwendern der DIN 18532-6.

Diese Meinung teilt auch die Deutsche Bauchemie. Christian Herold verteilte an die Teilnehmer ein umfangreiches Papier, in dem er die Kritikpunkte des DAfStb an der DIN 18532-6 kommentiert und bewertet. "Bilden Sie sich mit der Lektüre beider Sichtweisen selbst eine Meinung", lautete sein Appell an das Auditorium zu dieser Fachdiskussion, die aktuell andauert.

Mehr Sicherheit für fachgerechte Ausführung

Dr. Detlef J. Honsinger (Obmann DIN-NA "DIN 18533") skizzierte u.a. die Grundlagen der Dimensionierung von Abdichtungen erdberührter Bauteile und erläuterte die Wassereinwirkungs-, Riss-, Rissüberbrückungs- und Raumnutzungsklassen. Zu klären seien nacheinander Anwendungsbereich, Bodenverhältnisse, Raumnutzung, Wassereinwirkung, Risssituation und der Abdichtungsstoff. Dr. Honsinger führt dann vor, wie sich dann aus den Tabellen der Norm die geeignete Abdichtungsbauart ableiten lässt.

Struktur, Anwendungsbereich, Anforderungen, Einwirkungen und Abdichtungsbauweisen der DIN 18534 Abdichtung von Innenräumen bildeten die Schwerpunkte des Vortrages von Rudolf Voos (Obmann DIN-NA "DIN 18534"). Das Wesentliche sei zuvor schon in den einschlägigen Merkblättern des ZDB enthalten gewesen, so Voos. Er konstatierte, dass Planer und Praktiker mit der neuen DIN 18534 mehr Sicherheit für eine fachgerechte Ausführung hätten.

Blick auf die DIN 18535 Behälterabdichtungen

Den Abschluss bildete der Blick auf die DIN 18535 Behälterabdichtungen. Karlheinz Seberich (Obmann DIN-NA "DIN 18535") betonte den höheren Detaillierungsgrad der neuen Norm und die Tatsache, dass darin die Anforderungen an den Planer klar fixiert seien. Anforderungen an den Untergrund, an die Abdichtung, eine spezielle Standort-Beurteilung der Behälter, Detailausbildung und Instandhaltung waren weitere Kernpunkte seines Vortrages.

Zwischen den Referaten nutzten viele Teilnehmer die Chance, Fragen zu stellen; insbesondere zu den tatsächlichen Neuerungen und zum praktischen Umgang mit den Normen konnten die Fachleute hier spezifische Informationen nachlegen. Die Deutsche Bauchemie wird am 26. März 2018 in der Industrie- und Handelskammer Nürnberg eine zweite Auflage dieser Veranstaltung mit identischem Programm durchführen.

Anmeldung unter: http://veranstaltung.deutsche-bauchemie.de

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