Sonntag, 20. Januar 2019
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Weichenstellungen in Rosenheim

Unter dem Leitmotiv "Grenzenlose Chancen – Konstruktionen, Märkte, Technik" fanden am 11. und 12. Oktober 2018 die 46. Rosenheimer Fenstertage statt.

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Prof. Ulrich Sieberath erörterte in seinem Vortrag die Grenzen von Konstruktionen, Märkten und Technik. (Foto: © FASSADE)

Neben aktuellen Fachinformationen gab es für die 735 Teilnehmer diesmal wichtige Neuigkeiten aus dem Institut für Fenstertechnik. Der langjährige Leiter Prof. Ulrich Sieberath wird sich in 2020 in den Ruhestand verabschieden. Sein Nachfolger wird Prof. Jörn Peter Lass – derzeit noch Lehrstuhlinhaber des Studiengangs "Gebäudehülle" an der Hochschule Rosenheim.

Sehr gut aufgestellt für die Zukunft

Doch dies war nicht die einzige wichtige Neuigkeit: Bernhard Helbing verkündete gleichzeitig auch seinen Abschied als Vorstandsvorsitzender des ift und stellte seine Nachfolger vor. Am Vortag war bei der Mitgliederversammlung des Instituts Oskar Anders (Anders Metallbau) zum Nachfolger gewählt worden. Dr. Stefan Lackner (Raico) fungiert künftig als dessen Stellvertreter.

Bernhard Helbing nutzte die Eingangsworte auch, um sich für die hervorragende Zusammenarbeit mit Prof. Sieberath und dem gesamten Team zu bedanken. Das ift – so Bernhard Helbing – sei mit diesen Weichenstellungen auf einem guten Weg und sehr gut aufgestellt für die Zukunft und die Herausforderungen, die sich aus elementaren Branchenthemen wie Globalisierung, Digitalisierung und Fachkräftemangel ergeben.

Und noch eine Neuerung wurde verkündet: Das ift Rosenheim eröffnet ab sofort eine neue Niederlassung in Rheda-Wiedenbück. Mit dem von Dipl.-Ing. Rolf Schnitzler geführten Standort "West" will das ift näher an seine Kunden im nördlicheren Teil Deutschlands heranrücken.

Überblick zu den brennenden Branchenthemen

Wie gewohnt gab Prof. Ulrich Sieberath im Anschluss einen Überblick zu den brennenden Branchenthemen. Unter dem Gesichtspunkt "grenzenlos" wies er zunächst auf die Brexit-Problematik sowie den globalen Aufbau von Handelsschranken durch die USA sowie die sich daraus ergebenden Konsequenzen für den Warenverkehr und den Handel ein. Auch die Problematik der weltweiten Ressourcenknappheit und des Fachkräftemangels zeige die Grenzen auf, ebenso wie das Verfehlen selbst gesetzter Grenzen – zum Beispiel beim Klimaschutz.

Schließlich bestimmt das Thema "Grenzen" auch die Konstruktion von Fenstern und Fassaden – früher wie heute. Heute bilden zum Beispiel die Längenausdehnung, das Feuchteverhalten oder auch das Materialgewicht konstruktive Systemgrenzen bei Fenster- und Fassadenprodukten. In puncto Normen sprach Prof. Sieberath vor allem die Problematik national unterschiedlicher Interessen und Ansätze an.

Sein Schlusswort fiel trotz aller Herausforderungen positiv aus: "Ich glaube an die Kraft harmonisierter Regeln und das stete Austesten von Grenzen, um das Unmögliche möglich zu machen. Lassen Sie uns daran arbeiten, die Grenzen zu verstehen und auszuweiten."

Themenblock "Fassade und Architektur"

HandwerkIm Themenblock "Fassade und Architektur" standen danach spannende Vorträge zu außergewöhnlichen Fassadenprojekten auf dem Programm. Prof. Dr. Timo Schmidt (Werner Sobeck/Hochschule Augsburg) referierte über die vorgehängte, hinterlüftete High-Tech-Textilfassade des ThyssenKrupp Testturms in Rottweil und veranschaulichte dabei die konstruktiven und architektonischen Herausforderungen des viel beachteten "Leuchtturm-Projekts".

Im Anschluss referierte Rolf Schnitzler in seinem Vortrag "Fassaden – bizarre Formen, modernste Technik" über die Herausforderungen und Möglichkeiten der Erstellung von Prüfnachweisen für außergewöhnliche Objektfassaden bzw. Sonderkonstruktionen.

Bauprojekt "Futurium" in Berlin

Frank Walter (Arup) erläuterte nach dem Mittag die Schritte von der Planung bis zur Ausführung der Vorhangfassade bei dem als Niedrigst-Energiegebäude realisierten Bauprojekts "Futurium" in Berlin. Dabei ging es vor allem auch um die Konstruktion und Zulassung der aus vorgefertigten und Glas-Metallkassetten bestehenden und geklebten Fassade.

Die Variabilität des speziell entwickelten Systems ermögliche fließende Übergänge von Warm- und hinterlüfteten Kaltfassaden sowie vertikale, geneigte und horizontale Flächen, so der Referent. Im weiteren Verlauf des Nachmittags wurde es "international". Dabei stellte unter anderem Kent Adamson (QAI Labatories, Canada) die baurechtlichen Anforderungen an Fenster und Fassaden in Nordamerika vor.

Vom "Umweltgift" zum gesunden Baumaterial

Große Resonanz verzeichnete auch der Beitrag von Prof. Dr.-Ing. Christian Schuler (Hochschule München), der den aktuellen Stand bei der DIN 18008 erläuterte. Zum Abschluss veranschaulichte Prof. Peter Andres (Beratende Ingenieure für Lichtplanung) anhand zahlreicher Beispiele aus der Praxis die positiven Funktionen natürlichen Tageslichts sowie die Vorteile einer intelligenten Lichtplanung. Dabei verdeutlichte der Lichtexperte die enormen Möglichkeiten der Energieeinsparung sowie sinnvolle Maßnahmen zur Erhöhung des Nutzerkomforts.

Höhepunkt des zweiten Tages: Das Referat von Prof. Dr. Michael Braungart (EPEA Internationale Umweltforschung GmbH). Der "Cradle-to-Cradle"-Experte zeigte den interessierten Zuhörern aus der Fenster- und Fassadenbranche den Weg vom "Umweltgift" zum gesunden Baumaterial.

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www.ift-rosenheim.de

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